Mein Name ist Roswitha Engels. ( Manche nennen mich in Ihren Mails auch humor-u. liebevoll "Frau Dr.med.Pupp". Seit acht Jahren wohne ich mit meinem Mann in einen kleinen Vorort von Mannheim.

Mit elf Jahren hatte ich meine erste Begegnung mit einem "Puppendoktor". Na ja, ein richtiger Doktor war es nicht, sondern eigentlich ein Friseur. Er besaß ein winziges Friseurgeschäft in einer ebenso winzigen Gasse in Marbach. Im Schaufenster wies nur ein Schildchen darauf hin: Repariere auch Puppen. Wenn man durch das Fenster zwischen einen Vorhang schaute, konnte man ihn ab und zu an einem Tisch werkeln sehen. Das interessierte mich. Nach der Schule machte ich deshalb auf den Nachhauseweg gerne mal einen Umweg durch diese Gasse. Nur, um ihn wieder mal zufällig bei der Arbeit zu sehen.

In mir reifte der Wunsch: Wenn ich groß bin, will ich auch sowas machen!

Eines Tages entdeckte er mich. Nachdem ich ihn mein Interesse für seine Arbeit erklärt habe, bat er mich sogar rein. Ich war überrascht. Es war nur ein kleiner Arbeitstisch. Überhäuft mit allerlei Puppenteile. Rings herum lagen Gummibänder in verschiedenen Stärken, Haken, Scheren, einige weiß verspachtelte Puppenköpfe, Schachteln mit"Ankerle" und "Schiffle" und er erklärte mir im breitesten Schwäbisch für was man das brauch.

Eigentlich hätte er mit dem Perückenmachen für die Porzellanpuppen begonnen. Das hat schon sein Vater gemacht. Aber es gibt ja kaum noch welche. Nur diese neumodischen Zelluloidpuppen. Die er nicht besonders mag, haben keine Haare. Manchmal wollen die Mädle aber auf den geprägten Köpfen doch noch gerne eine Perück' aber das wird seltener, erzählte er schwäbelnd weiter. Er sei auch nicht mehr der Jüngste, wird wohl bald damit aufhören, aber wenn es mir Spaß macht, darf ich ihn, sooft es möglich ist und ich mag, beim Reparieren zuschauen.

Leider wurden diese geliebten Besuche nach viel zu kurzer Zeit abrupt beendet. Denn als ich ihn wieder mal besuchen wollte, fand ich den Laden "Wegen Krankheit geschlossen" vor. Kurz darauf das Schild "Geschäftsaufgabe"

Das war's! Ich habe ihn nie wieder gesehen und dann auch bald vergessen.

16 Jahre später entdeckte ich bei meiner damaligen Chefin eine alte Puppe. Oder, was davon übrig war. Die Enkeltochter hatte sie zuvor schon mehrmals in den Fingern gehabt. Das hat Spuren hinterlassen.

Beide Augen waren eingedrückt, Perücke zerzaust, teilweise beschnitten, den Gliederkörper stellenweise demoliert, in alleEinzelteile zerlegt.

Mir tat die Puppe schrecklich leid, so bat ich drum, dass ich sie nach Hause nehmen darf. Ich wollte wenigstens versuchen sie zu reparieren.

"Wenn Sie DAS schaffen, dürfen Siedie Puppe behalten!" versprach sie.

Kurz und gut.....seit dieser Zeit schmückt sie meinen Eingangsbereich.

 

                                                            

Mit ihr wurde doch noch mein Kinderwunsch wahr.

Marbach hatte, (aber erst nach jahrelangen Experimentierphasen) eine neue, beliebte Anlaufstelle für Puppenreparaturen!Später kam der Rems-Murr-Kreis dazu und seit 2006 wirke ich in Mannheim.

Vielleicht sehn wir uns ja auch dort einmal !

Ihre,

Roswitha Engels